1896-1932

Erstes Schulgebäude in der Schäfergasse
Von 1925 bis 1969 war die Schulstraße 8 die Heimat der IKS, später mit Erweiterungsbau. Seit dem Umzug Ende der sechziger Jahre in die neuen Gebäude am Evreuxring 25 ist hier die Grundschule Innenstadt untergebracht

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte Rüsselsheim mit seinen 3.500 Einwohnern eine Volksschule. Mit dem Erstarken des gehobenen Bürgertums wuchs dessen Bestreben, eine höhere Schule zu gründen, um den Kindern eine qualifiziertere und den Interessen des Bürgertums entsprechende Ausbildung zu bieten. Schon 1878 wurde ein Mädcheninstitut für Töchter der "bessergestellten Familien" gegründet. Außerdem unternahm Paul Hessemer im Namen des gehobenen Bürgertums einen Vorstoß für die Einrichtung einer erweiterten Volksschule in Rüsselsheim.

1896

Am 18.4. stimmt der Gemeinderat Rüsselsheim der Eröffnung einer neuen Schule zu, jedoch nur als Privatschule. Man stellte aber die spätere Übernahme der Schule durch die Gemeinde in Aussicht.

Am 27.5. wird die Privatschule (Hessemerschule) in einem Anbau des Hessemerhauses in der hinteren Schäfergasse 16 eröffnet. Zu den Gründern zählen unter anderem Paul Hessemer, Bürgermeister Sittmann und Constantin Engelhardt. Die Schule hat einen Lehrer (Herr Zimmermann), der die 22 Schüler betreut.

1897

Übernahme der Privatschule durch die Gemeinde und Umbenennung in "Höhere Bürgerschule". Es wird ein Kuratorium für die Schule gewählt, dem P. Hessemer, Sittmann, J. Diehl VI, W. Kyritz, L. Weinrich und J.Treber VI angehören.

Da jetzt 45 Kinder die Schule besuchen, wird ein zweiter Lehrer (Herr Buxbaum) als Rektor eingestellt. Die Kinder werden nach dem Lehrplan der hessischen Realschulen unterrichtet.

1898

Die Schule wird der Schulabteilung im Ministerium des Innern in Darmstadt unterstellt. Da der Platz in dem Anbau nicht mehr reicht, zieht die Schule in das zweistöckige Haus in der Schäfergasse 16, das Hessemer extra zu diesem Zweck erbaut.

1906

Paul Hessemer verkauft das Schulgebäude an die Brüder Schmidt.

1909

Die Schule bekommt Herrn Seibert als neuen Rektor.

Das Ministerium des Innern beschließt, die Schule zum nächsten Schuljahr (1910/11) zu schließen, da die Schule seit Jahren nur um die 40 Schüler hat. Die kleine Schülerzahl hat nämlich zur Folge, daß die Schule nur zwei Lehrer hat und so die fünf Klassen teilweise zusammen unterrichtet werden müssen. Sexta (5. Klasse), Quinta (6. Klasse) und Quarta (7. Klasse) sowie Unter- und Obertertia (8. und 9. Klasse) werden von je einem Lehrer unterrichtet. Dadurch kann jedoch der Lehrplan der Realschule nicht eingehalten werden, und der Übergang an die Untersekunda (10. Klasse) in Mainz ist so relativ schwer. Viele Schüler gehen schon vorher nach Mainz in die Schule, und so kann die Schülerzahl nicht steigen.

Die Gemeinde erklärt sich aber bereit, alle Kosten für die Schule zu übernehmen, sogar für die dritte Lehrkraft (Herr Lehmann), um den Schülern die laut Schulbericht "gefährliche" Bahnfahrt nach Mainz zu ersparen, worauf der Beschluss zur Schließung zurückgenommen wird.

Die dritte Lehrkraft macht es möglich, die Sexta alleine zu unterrichten, und man hofft, den Übergang nach Mainz zu erleichtern und mehr Schüler zu bekommen.

1910

Fünf Räume in der Gewerbeschule des Gewerbevereins (Ecke Schulstraße/ Ludwigstraße) werden gemietet. Die Schule zieht dorthin um und zahlt 500 Mark Miete im Jahr.

Das Schulgeld steigt von 60 auf 100 Mark pro Schüler.

1912

Mittlerweile unterrichten fünf Lehrkräfte an der Schule, was zur Folge hat, daß alle Klassen getrennt Unterricht haben. Nur in Fächern wie Religion, Turnen oder Zeichnen werden noch mehrere Klassen zusammen unterrichtet.

1914

Der Erste Weltkrieg beginnt, und alle Lehrer der "Höheren Bürgerschule" rücken ein. Sogar die einzige Lehrerin stellt sich freiwillig dem Roten Kreuz zur Verfügung. Da die Schule nicht sofort neue Lehrer bekommt, werden die Sommerferien verlängert, bis andere Lehrkräfte den Schulbetrieb notdürftig wieder in Gang bringen.

Am 5.8. werden alle Rüsselsheimer Schulen zum Ernteeinsatz geschlossen, und die Schüler müssen Kartoffeln ernten.

1916

Herr Müller kommt als neuer Rektor an die Schule, nachdem der alte Rektor, Herr Seibert, 1915 im Krieg gefallen war und die Schule von den Lehramtsassessoren Haaz und dem aus dem Krieg zurückgekehrten Herrn Lehmann geleitet worden war.

1918

Der Erste Weltkrieg, in dem die Schule zwei Lehrer verloren hat, ist vorbei. Die Schule bekommt einen Staatszuschuss, und die finanzielle Lage wird so verbessert.

1922

Der Elternausschuss bemüht sich, die Schule zur Realschule auszubauen (Untersekunda/ Kl. 10). Herr Müller, der als Rektor von Herrn Lehmann abgelöst wurde und jetzt Bürgermeister ist, unterstützt und fördert diese Bemühung.

1923

Die Schule führt die Untersekunda ein und wird zur Realschule i. E. (in Entwicklung). Die Firma Opel bezahlt das Gehalt für die erforderliche Lehrkraft.

1925

Die Schule zieht in ein eigenes Gebäude in der Schulstraße 8 um, in dem vorher die Volksschule war.

1926

Das Schulgebäude wird erweitert und eine zweite akademische Lehrkraft eingestellt, die ebenfalls von Opel bezahlt wird.

Das Schulgeld beträgt mittlerweile 210 Mark. Die meisten Kinder der "Höheren Bürgerschule" kommen aus Rüsselsheim, wenige aus anderen hessischen Städten und ab diesem Jahr sogar einige aus anderen deutschen Ländern.

1928

Der hessische Minister für Kultus und Unterricht erkennt die Schule als Realschule an. Einige Schulbuchseiten aus dieser Zeit ermöglichen einen Einblick in das damalige Schulleben.

1930

Die meisten Schüler sind evangelisch, der römisch-katholische Anteil steigt von 2% (1910) auf 20% im Jahre 1930. An der Schule sind auch immer zwei bis fünf jüdische Schüler, die zeitweise einen eigenen Israelischlehrer haben.

Da eine Klasse pro Jahrgang nicht mehr ausreicht, werden zwei neue Lehrer eingestellt und zwei Klassen pro Jahrgang eingerichtet. Die Schule hat acht Lehrer und fünf Fachkräfte, die nur wenige Stunden in jeweils einem Fach unterrichten.

1932

Die Schule bekommt einen Anbau, der sechs Klassensälen Platz bietet.