Latein

Wir befinden uns mittlerweile im 3. Jahrtausend nach Christus und die gesamte lateinische Sprache droht auszusterben. Wie? All das schöne Latein? Nein! Denn - wie auch an vielen anderen Gymnasien - versuchen an der IKS Schüler*innen ab der 7. Klasse die Geheimnisse dieser antiken Sprache zu ergründen. Aber wozu?

Latein – wozu braucht man das schon?

Reden von Latein-Schüler*innen der Sek. II, die allen Lateinkritikern an den Kragen gehen.

Im Spätsommer letzten Jahres sorgte der Soziologe der FU Berlin Jürgen Gerhards als Mitautor der Studie "Des Kaisers alte Kleider: Fiktion und Wirklichkeit des Nutzens von Lateinkenntnissen" medial für Aufmerksamkeit und heizte erneut die Diskussion über die Sinnhaftigkeit des Sprachfaches Latein an, indem er sich auch in Interviews klar für die Abschaffung von Latein an deutschen Schulen ausspricht.

Schwer getroffen haben die Schüler*innen des Latein GKs diese Forderung zum Anlass genommen, im Rahmen des Q1-Unterrichtsthemas "Rhetorik" eine Gegenposition zu entwickeln. Mithilfe ihres im Lateinunterricht neu erworbenen Rhetorikwissens haben die Schüler*innen eigene Reden verfasst, die auf die eingangs gestellte Frage eine Antwort geben und von großem Mehrwert des Faches Latein zeugen, nicht zuletzt indem sie sogleich ihr rhetorisches Können unter Beweis stellen.

Fiktiver Ausgangspunkt für die so entstandenen Reden war, dass Hr. Hammes das Anraten zur Abschaffung des Faches Latein aufgreift und diese an der IKS durchsetzen möchte. Dafür plädiert er in der Schulkonferenz, woraufhin aus den Reihen der Schüler*innen die nun folgenden Reden hervorgebracht werden.

Lest weiter!... und lasst Euch noch einmal mehr davon überzeugen, dass Latein als "tote" Sprache genauso seine Daseinsberechtigung hat wie alle modernen Fremdsprachen auch!

  • Rede von Anas Asdoune und Florian König (PDF)
  • Rede von Dario Kiekheben-Schmidt (PDF)
  • Rede von Felix Herzer (PDF)
  • Rede von Maja Reiling (PDF)

Zukunft braucht Herkunft

Latein ist nicht nur eine Fremdsprache, sie ist eine "Basissprache", die Textreflexion, Sprachanalyse, das logische und analytisch-synthetische Denken fördert. Latein vermittelt die Fähigkeit zur Kombination und Abstraktion. Latein lehrt Neues und Fremdes zu entdecken, mit Ausdauer und Konzentration bei der Sache zu bleiben und fördert die Bereitschaft lebenslang zu lernen. Die lateinische Sprache vermittelt beispielhaft allgemeine Erkenntnisse über Sprachstrukturen. Die Schüler lernen, bewusst mit Sprache umzugehen, ihre Ausdrucksfähigkeit und ihre muttersprachlichen Kompetenzen zu verbessern, was durch den Vorgang des Übersetzens ins Deutsche gefördert wird. Außerdem entfallen - im Gegensatz zu modernen Fremdsprachen - die Schwierigkeiten mit der Schreibung und Aussprache. Wer im Beruf Erfolg haben will, braucht diese im Lateinunterricht vermittelten Fähigkeiten.

Wer Latein lernt, lernt mehr als nur eine Fremdsprache. Latein ist die Mutter der romanischen Sprachen, die von einem Großteil der Weltbevölkerung gesprochen werden: Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Rumänisch. Im Englischen sind mehr als die Hälfte des Gesamtwortschatzes lateinischer Herkunft. Auch entstammen Wortneubildungen in diesen Sprachen zu einem sehr hohen Prozentsatz der lateinischen Sprache. Latein bildet das Fundament der europäischen Geistes- und Kulturgeschichte, die es bis heute prägt. Die lateinische Literatur spiegelt nicht nur das römische Geistesleben und die historische Wirklichkeit wieder, sondern gibt exemplarisch durch ihre politischen, philosophischen und menschlichen Probleme auch heute Anlass zu kritischem Denken. Die lateinische Sprache mit ihrer literarischen Vielfalt (Geschichtsschreibung, Rede, Brief, philosophische Abhandlung, Epos, Lyrik, Drama, Roman etc.) und Geistes- und Kulturgeschichte trägt zum Verständnis der Gegenwart bei und eröffnet Zukunftsperspektiven. Doch nicht nur die besondere Gattungsvielfalt und der Gedankenreichtum dieser antiken Sprache, sondern auch die sprachliche Ästhetik und das künstlerische Formbewusstsein sind Ursachen für ihre zweitausendjährige Wirkung. Alle modernen europäischen Literaturen entwickelten sich am Vorbild der lateinischen Literatur, deren Einfluss bis heute nicht geschwunden ist.

Latein soll durch die Vermittlung sozialer, kommunikativer und kultureller Kompetenzen die Schüler befähigen, eine Brücke zu anderen Menschen und Völkern zu schlagen und die Zukunft Europas mitzugestalten. Latein fördert Qualifikationen, die zum Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft, zum Erkennen, Verstehen und Lösen sozialer Konflikte und Probleme notwendig sind. Durch die Methodik des Übersetzens, Verstehens und Interpretierens werden die kommunikativen und sozialen Kompetenzen geschult, da der Schüler beim Übersetzungsvorgang auf die Kommunikationsebene des Autors gestellt werden muss. Hierfür ist historisches, philosophisches und kulturgeschichtliches Sachwissen notwendig, das in der Lektüre und der lateinischen Literaturgeschichte vermittelt wird.
Der Lateinunterricht kann als inhaltsbezogener Literatur- und Kulturunterricht auf sprachlicher Grundlage zur Ausbildung kommunikativer, sozialer und kultureller Kompetenzen beitragen, um die Persönlichkeitsentwicklung des Schülers und seine Entwicklung in der Zukunft entscheidend zu fördern. Die Sprache der Vergangenheit kann auch für die Zukunft ihres Kindes ihren Beitrag leisten!

Quelle: nach J. Dalfen (Probleme mit Caesar, Gymnasium 102, 1995, 263-286)

Französisch oder Latein?

Um bei der Wahl der zweiten Fremdsprache zu helfen, haben die Latein- und Französischlehrer*innen der IKS eine Informationspräsentation (PDF) erstellt. Ferner findet vor der finalen Entscheidung Schnupperunterricht in beiden Fremdsprachen in der Jahrgangsstufe 6 statt und die Eltern erhalten auf einem Informationsabend noch weitere Hinweise.

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